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Atomuhrzeit

 

 

Die Nitrat-Dosierung

      (Ca(NO3)2
Es gibt verschiedene Nitrate auf dem Markt. Das bekannteste ist das Calciumnitrat (Ca (NO3)2). Inzwischen gibt es aber auch Eisennitrat und ein Dolomitnitrat mit Calcium und Magnesium. Für alle gelten die gleichen Wirkungsmechanismen, die im folgenden beschrieben werden, da einige Hersteller oft nicht besonders ausführlich die Grundlagen der Wirkung erklären.

Folgender Hinweis ist von Jürgen Weissenberger  beigetragen worden:"Die Behandlung mit Calciumnitrat ist eine biologische Behandlungsmethode da Nitrat reduzierende Bakterien auf Kosten von Sulfat reduzierenden Bakterien gefördert, und so schon die Bildung von H2S verhindert wird. Schon vorhandenes H2S wird ebenfalls mit Hilfe von Bakterien und Nitrat zu Sulfat oder elementarem Schwefel oxidiert."

Die Nitrat-Dosierung ist ein häufig benutztes Verfahren um die H2S-Bildung im Kanal zu unterbinden. Das ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass das Verfahren das Günstigste oder Einfachste ist, eher im Gegenteil. Die Hersteller sind hier die treibende Kraft und haben das Verfahren durch intensive Werbung und Vermarktung zum bekanntesten Mittel gegen H2S gemacht. Durch die intensive Betreuung der Hersteller wird auch die gewünschte Unterbindung der H2S-Bildung recht gut erreicht.

Das Verfahren wird zwar als biologisch bezeichnet, aber es wird eine Chemikalie zugegeben, die als "Wassergefährdend" eingestuft ist. Diese bewirkt eine biologische Reaktion. Die Reaktion ist auch vorhanden, wenn es überhaupt keine Schwefelwasserstoff -Bildung vorliegt. Es ist daher notwending eine exakte Dosierung einzustellen. Die Einmischung muss direkt vor der Problemzone erfolgen. Es wird daher in der Praxis im Laufe eines Kanalsystems die Dosierung mehrfach wiederholt. Ist der leicht abbaubare Kohlenstoff verbraucht ist das Verfahren wirkungslos.

Zur Erklärung: Die Nitratzugabe bewirkt das Gleiche wie die Denitrifikation in der Biologie einer Kläranlage.

Stufen der Stickstoffelimination in Kläranlagen:

1. Nitrifikation: In modernen Kläranlagen wird zuerst aus Ammoniumstickstoff (NH4) durch Zugabe von Sauerstoff die Umwandlung zu Nitrat (NO3) von Nitrifikaten (Bakterien) biologisch erreicht.

2. Denitrifikation : Das Nitrat (NO3) mit Hilfe von Kohlenstoff (Messbar als BSB) und den denitrifizierenden Bakterien zu Nitrit (NO2) und danach weiter zu Stickstoff (N2) umgewandelt. Der Stickstoff verläßt das Wasser als Gas. Wie auch in der Kläranlage dauert es auch im Kanal eine gewisse Zeit bis eine denitrifizierende Biomasse aufgebaut ist. Da der Kohlenstoff nur begrenzt verfügbar ist müssen einige Kläranlage zusätzlich Kohlenstoff zugeben. In der Regel wird bereits bei moderen Kläranlagen ohne Vorklärung gearbeitet um nicht die geringste Menge an Kohlenstoff für die Denitrifikation zu verlieren.

Gerade das Ausgasen von Stickstoff (N2) und der Verbrauch des Kohlenstoffs im Abwasser schon im Kanalsystem können Probleme verursachen.

 

- hohe Chemikalienkosten

- hohe Installationskosten,

    (aufwendige Mess- und Regelungstechnik sind notwendig und oft sind mehrere Dosierstellen nötig)

- Entstehung von Gaspolstern (Stickstoff) in nicht entlüfteten Druckrohrleitungen möglich,

    dadurch Verminderung der Pumpenleistung

-  sehr träge Reaktion

    (Wirkung erst nach 3- 4 Tagen nach Beginn der Dosierung, daher ist eine konstante Grund-Dosierung nötig)

- das zugegeben Nitrat verbraucht den leicht abbaubaren Kohlenstoff.

    Dieser wird aber auf der Kläranlage für die weitergehende Stickstoffelimination und dem dort erzeugten Nitrat benötigt.

    Hier stoßen viele Kläranlagen bereits an ihre Grenzen

-  Bei zu geringen Kohlenstoff entsteht das giftige Zwischenprodukt Nitrit (NO2)

-  Es wird zusätzlich Stickstoff zugegeben, der in der Kläranlage zusätzlich wieder entfernt werden muss!